Unter den vielen hundert Primiz- und Weihejubiläumsbildern in meiner Sammlung befindet sich auch eine Handvoll Bilder zur Erinnerung an eine „Sekundiz“ oder „Sekundiz-Feier“.

Die Mehrzahl stammt aus dem Österreichischen bzw. Tiroler Raum, aber eines unter meinen Sekundiz-Bildern erinnert an die entsprechende Feier im oberbayerischen Pittenhart am 15. September 1884.

Links: Erinnerungsbild, Sekundiz-Feier, Pfarrer Andreas Reiser, Pittenhart, 1884. Rechts: Erinnerungsbild, Sekundiz-Feier, P. Aloisius Strobel, Brixen, 1876. Bild: Privatsammlung, Bischof Dr. Rudolf Voderholzer.

Was verbirgt sich hinter der in den bayerischen Diözesen weithin ungebräuchlichen und nach meinen Recherchen auch weithin unbekannten Bezeichnung „Sekundiz“?

Es geht nicht etwa um eine zweite Primizfeier in Gestalt einer „Nachprimiz“ – dieser Begriff bürgert sich zunehmend ein zur Bezeichnung der ersten Messfeier eines neugeweihten Priesters in der Praktikumspfarrei oder einer anderen Kirche über die Heimatpfarrei hinaus.

Das Wort „Sekundiz“ steht für die Messfeier anlässlich des 50-jährigen Priesterjubiläums. Winfried Haunerland schreibt in seinem Artikel „Missa aurea oder Sekundiz“: „Der Rückbezug auf die erste Messfeier nach der Weihe wird auch deutlich in der früh bezeugten Rede von der anderen / anderten […] oder zweiten Primiz. […] Davon abgeleitet ist das Wort Sekundiz, das allerdings erst im 19. Jahrhundert häufiger auftaucht, offensichtlich aber bereits in der Mitte des 18. Jahrhunderts gebräuchlich ist […]“ (283).

Erinnerungsbild, Sekundiz-Feier, Franz von Paula Schmid, Bozen, 1896. Bild: Privatsammlung, Bischof Dr. Rudolf Voderholzer.

Eine Internet-Recherche ergibt, dass der Begriff auch gegenwärtig nicht vollkommen ungebräuchlich ist. So wird er etwa in der Berichterstattung von „kath.ch“ über die Feier des goldenen Priesterjubiläums von P. Georg Liebich im Kloster Einsiedeln am 2. Juli 2023 verwendet:

„Am 2. Juli hat Pater Georg zusammen mit der Klostergemeinschaft, mit Verwandten, Freunden und Weggefährten im Konventamt um 9.30 Uhr seine «Sekundiz» begangen – wie vor 50 Jahren war es ein festlicher Gottesdienst mit viel Grund zur Dankbarkeit und Freude.“ (https://www.kath.ch/newsd/pater-georg-liebich-der-einzig-echte-einsiedler-im-kloster-feiert-50-jaehriges-priesterjubilaeum/ abgerufen am 30.10.2025, 10:15 Uhr)

Bemerkenswert ist darüber hinaus folgende Beobachtung von Haunerland: Der Charakter der Priesterjubiläumsfeierlichkeiten hat sich im Laufe der Jahrhunderte geändert. Stand zunächst häufig der Bußcharakter im Vordergrund, setzt im 19. Jahrhundert eine Transformation ein, „die mehr die öffentliche Feier, den Dank und das Gotteslob in den Vordergrund treten lassen, wobei das Gotteslob leicht in ein Lob des Priestertums und des konkreten Jubilarpriesters umschlägt“ (295).

Links: Erinnerungsbild, Sekundiz-Feier, P. Ignatius Raggl, Bozen 1882. Rechts: Erinnerungsbild, Sekundiz-Feier, P. Albert M. Völlmecke, Wien, 1928. Bild: Privatsammlung, Bischof Dr. Rudolf Voderholzer.

Winfried Haunerland, Missa aurea oder Sekundiz. Spurensuche zur liturgischen Feier des Priesterjubiläums, in: Jürgen Bärsch / Bernhard Schneider (Hg.), Liturgie und Lebenswelt. Studien zur Gottesdienst- und Frömmigkeitsgeschichte zwischen Tridentinum und Vatikanum II (= LQF 95), Münster 2006, 281‒298.